Dashboard Ausbildung Kapitel 9
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Kim Bender

Lektion 1 von 2 in Kapitel 9

Kapitel 9: Ressourcenmanagement und Priorisierung

Lernziele

Nach dieser Lektion können Sie die neun KRITIS-Sektoren zuordnen, eine Priorisierungsmatrix nach Dringlichkeit und Wichtigkeit anwenden und typische Kaskadeneffekte bei Infrastrukturausfällen erkennen sowie für den Verwaltungsstab nutzbar machen.

Didaktischer Lernweg

  1. Theorie: KRITIS-Rahmen, Matrix und Kaskaden – unten strukturiert für die Arbeit in der Koordinierungsgruppe Spezialthemen (KGS) und für Abstimmung mit dem Führungsstab.
  2. Anwendung: In der Praxisaufgabe üben Sie Priorisierung am Szenario „Partieller Stromausfall Musterhausen“.
  3. Vertiefung: Offene Punkte notieren Sie unter Offene Fragen; Lektion 2 in Kapitel 9 vertieft die Umsetzung in Ihrer Kommune (über die Kapitelübersicht).

Das BBK-2-Stabsmodell sieht keine eigene „Ressourcen-KGS“ vor – Ressourcenfragen werden fachlich in den zuständigen KGS (z. B. Versorgung, technische Hilfe) bearbeitet und im Führungsstab entschieden.

Ressourcen priorisieren im Krisenfall

5:45 Min. – In der Vollversion wird hier ein passendes Lehrvideo eingebettet

1. Kritische Infrastrukturen (KRITIS)

In Deutschland werden kritische Infrastrukturen in neun Sektoren zusammengefasst. Für den Verwaltungsstab ist das mehr als eine Liste: Es ist ein Orientierungsrahmen, welche Versorgungsketten bei einem Schadensereignis besonders schützenswert sind und welche Abhängigkeiten zwischen Sektoren bestehen – etwa Energie als Voraussetzung für Wasser, Kommunikation und Teile der Gesundheitsversorgung.

  • Energie – Strom, Gas, Mineralöl; Grundlage vieler anderer Systeme
  • Wasser – Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung
  • Ernährung – Lebensmittelangebot von der Produktion bis zur Distribution
  • Informationstechnik und Telekommunikation – Netze, Rechenzentren, Kommunikation
  • Gesundheit – medizinische Versorgung, Arzneimittel, Labore
  • Finanz- und Versicherungswesen – Zahlungsverkehr, Versicherungsleistungen
  • Transport und Verkehr – Personen- und Güterverkehr, kritische Logistik
  • Staat und Verwaltung – hoheitliche Aufgaben, Behördenprozesse
  • Medien und Kultur – öffentliche Information und relevante Kultureinrichtungen

Im Stab helfen Ihnen diese Zuordnungen, Meldungen schneller einzuordnen und Prioritäten mit Betreibern, Landkreis und Landesbehörden abzustimmen.

Vertiefung: KRITIS-Sektoren im Detail – Wer gehört wozu?

Typische Zuordnungen in der kommunalen Praxis (vereinfacht):

  • Krankenhaus, Rettungsdienst, Impfzentrum → Sektor Gesundheit (oft zugleich hoher Bedarf an Energie und IT)
  • Wasserwerk, Hochbehälter, Kläranlage → Sektor Wasser (Pumpen und Steuerung oft stromabhängig)
  • Rechenzentrum Kommune, Bürgerhotline-TK-Anlage → Sektor IT und TK
  • Lebensmittelmärkte, zentrale Küche Sozialbereich → Sektor Ernährung
  • U-Bahn/ÖPNV-Leitzentralen, wichtige Brücken/Tunnel → Sektor Transport und Verkehr
  • Kraftwerk, Umspannwerk, Leitungsnetz → Sektor Energie

Viele Einrichtungen sind übergreifend: Ein Klinikum ist Gesundheit, hängt aber kritisch an Energie, Wasser, IT und Logistik. Genau solche Überschneidungen sind im Stab bei der Priorisierung von Hilfsmitteln (z. B. Notstrom, Diesel, Fahrzeuge) zu berücksichtigen.

2. Die Priorisierungsmatrix

Unter Zeitdruck reicht es nicht, „alles Wichtige“ gleichzeitig zu erledigen. Eine bewährte Orientierung liefert die Einordnung nach Dringlichkeit (wie schnell muss gehandelt werden?) und Wichtigkeit (wie gravierend sind Folgen, wenn nicht gehandelt wird?) – angelehnt an das Eisenhower-Prinzip, aber auf Krisenmanagement zugeschnitten.

Typische Kriterien im Verwaltungsstab:

  • Menschenleben und schwerer Gesundheitsschaden – zuerst abwägen, oft höchste Dringlichkeit
  • Zeitdruck – drohende Systemgrenzen (z. B. Restlaufzeit Notstrom, Wasserdruck, Kühlketten)
  • Kaskadenrisiko – droht ein Ausfall weitere Sektoren mitzureißen?
  • Reversibilität – lassen sich Maßnahmen später korrigieren oder sind sie irreversibel?

Das Ergebnis ist keine „Punktevergabe“, sondern eine transparente Reihenfolge für den Führungsstab: Welche Ressourcen werden zuerst gebunden, welche Meldungen brauchen sofort eine Führungsentscheidung?

3. Kaskadeneffekte erkennen und managen

Ein partieller Stromausfall betrifft selten nur „Licht aus“. Pumpen in der Wasserversorgung, Mobilfunkmasten, Kühlung in der Lebensmittelkette, IT in Behörden und teils medizinische Geräte hängen an Strom – teils direkt, teils über Notstrom, dessen Brennstoff- und Wartungslogistik wiederum begrenzt ist.

Im Stab bedeutet das: Meldungen quervernetzt lesen. Wenn das Wasserwerk Druckverlust meldet und parallel das Krankenhaus die Notstromlaufzeit – suchen Sie die gemeinsame Ursache (Energie/Kraftstoff) und vermeiden Sie isolierte Einzelentscheidungen, die andere KRITIS-Bereiche verschlechtern.

Wussten Sie? Bei einem großflächigen Stromausfall versagen nach 24 Stunden durchschnittlich 50 % aller Notstromaggregate wegen Dieselmangel – frühzeitige Kraftstofflogistik ist entscheidend.

📝 Kurze Selbstprüfung

Testen Sie Ihr Verständnis, bevor Sie zur Praxisaufgabe übergehen.

Was ist ein Kaskadeneffekt?

Praxistipp

Erstellen Sie vorab eine Priorisierungsliste der wichtigsten Einrichtungen in Ihrer Kommune mit Notstromdauer, Kraftstoffbedarf und Alternativversorgung (z. B. mobile Aggregate, Nachbarstadt, Bundeswehr/THW nach Ablaufschema). Pflegen Sie die Liste mit Fachämtern und Betreibern – im Ernstfall gewinnen Sie so kostbare Minuten.